Im Rahmen der Praxiswoche der Jusos SH besuchten wir die SFK

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Im Rahmen der Praxiswoche der Jusos SH besuchten wir die SFK

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Auf der Brücke der “Bülk” (v.l.) Ansgar Stalder (Betriebsleiter SFK), Jebril Ali, Christoph Beeck, Anna-Lena Walzcak, Benjamin Raschke

Vom 17. bis 23. Oktober 2016 haben die Jusos Schleswig-Holstein zum dritten Mal eine Praxiswoche durchgeführt. In diesem Zeitraum besuchten Jusos aus den einzelnen Kreisverbänden Unternehmen, Initiativen, Einrichtungen und soziale Träger, um einen Tag lang die Arbeit und Situation vor Ort kennenzulernen. Auch Mitglieder aus dem Kreisverband Kiel nahmen in diesem Jahr an der Aktion teil und besuchten zu viert die Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK). Anna-Lena Walzcak, Jebril Ali, Christoph Beeck (alle Kreisvorstand) und Benjamin Raschke (Ratsherr) informierten sich über die Besonderheiten des ÖPNV in einer Lage am Meer und rund um die Kieler Förde.

Schon beim Betreten des Betriebsgeländes geht es besonders los: Wenn man an der Kaistraße nach dem Gebäude der SFK sucht, wird man beim Blick in die Häuserreihe nicht fündig, sondern muss auf die Hörn blicken. Der Geschäftsführer der SFK, Andreas Schulz, und der Betriebsleiter, Ansgar Stalder, begrüßten uns auf dem dort schwimmenden Ponton, auf dem alle Werkstätten, Verwaltungsräume und Sozialbereiche untergebracht sind, sodass die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit auch abseits der Schiffe immer das Wasser im Blick haben. Seit Jahren spart diese clevere Lösung viele Mietkosten. Nach einem kleinen Rundgang durch dieses Hausboot erläuterten uns die beiden in einem Vortrag die Geschichte, Struktur und grundsätzliche Herausforderungen des Unternehmens. Vor etwa 20 Jahren wurde die SFK aus der damaligen Kieler Verkehrs AG herausgelöst und ist eine 100%-Tochter der Landeshauptstadt Kiel. Die 52 Mitarbeiter, davon im seemännischen Bereich nur Männer, obwohl man sich über weiblichen Nachwuchs freuen würde, erwirtschaften im Jahr über 7 Mio Euro Umsatz, davon 75% durch das Schleppgeschäft. Die Erlöse aus diesem ermöglichen die Durchführung des defizitären Wasser-ÖPNVs, der auf eigenes Risiko ohne Verkehrsvertrag angeboten wird. Aktuell gibt es die Schwentinelinie (F2), die ab Reventlou in 10 Minuten bei kostenloser Fahrradmitnahme nach Dietrichsdorf übersetzt und gut durch Studierende angenommen wird, sowie die Fördelinie (F1), die ab dem Bahnhof acht und im Sommer sogar elf Anleger bis Strande und Laboe miteinander verbindet. Da qualifizierter Nachwuchs häufig schwierig zu bekommen ist, bildet die SFK selbst (aktuell drei) Mechaniker aus und bietet den Beschäftigten Weiterbildungen an, mit denen sie an der Seefahrtschule in Bremen Patente erwerben können. Im Laufe der Unternehmensgeschichte gelang es, aus einem Millionendefizit einen Überschuss zu machen und ein besseres Angebot zu unterbreiten als durch private Partner, was zeigt, dass auch der Staat mit seinen Betrieben erfolgreich sein kann. Trotz des Defizits und der geringen Frequentierung durch Passagiere waren sich alle einig, dass die Fördeschifffahrt zum Kieler Markenkern gehört und den besonderen Charme der Stadt unterstreicht. So erinnerten sich Anna-Lena und Jebril noch genau an ihre ersten Fahrten mit der Fähre an den Strand.

 

Um Perspektiven und Probleme ging es auch im sich anschließenden Gespräch. Christoph fragte nach 03_img_3078Ausbaupotenzialen zur besseren Verknüpfung der Ufer und zur Entlastung des Busverkehrs, wie wir es Anfang des Jahres  gefordert hatten. Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen in der Förde ist eine schnellere Fahrt der Fähren mit wesentlichen Zeitersparnissen nicht umsetzbar, sodass die Fähren weiterhin in der Regel für eine vergleichbare Strecke deutlich länger als Busse der KVG brauchen. Auch eine dichtere Taktung oder mehr Querverbindungen bedeuten für das Unternehmen zwar deutlich höhere Kosten, bringen aber kaum neue Passagiere. Einen leichten Zeitgewinn und eine bessere Nutzbarkeit und damit vielleicht einen leichten Anstieg der Fahrgastzahlen werden die ab 2018 neu zu beschaffenden Schiffe sein, die barrierefrei, mit besserem Einstieg, mit mehr Raum für Fahrräder und sogar noch umweltfreundlicher als jetzt schon sein werden. Für das kleine Unternehmen bedeutet dies aber auch einen großen finanziellen Aufwand, der zu einem zeitweisen Zuschussbedarf durch die Stadt führen kann. Auch wenn unsere Ideen sich fürs Erste in Luft aufgelöst haben, konnte man sehr schön den Sinn solcher Besuche sehen, die Ideen und Theorien gleich hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit abklopfen können. Für zukünftige Ideen bot uns der Geschäftsführer an, uns jeder Zeit mit ihm in Verbindung zu setzen.

Der Austausch blieb nicht einseitig, sondern auch wir können Anregungen mitnehmen. In letzter Zeit kommt es vermehrt zu Ausfallzeiten und teuren Reparaturen bei den Schiffen durch Angelschnüre in den Schrauben und zuletzt leider auch zu schweren Verletzungen von Mitarbeitern, die sich die Hände durch Angelhaken aufgerissen haben. Benni wird als Ratsherr klären, wie hier ein besserer Schutz umgesetzt werden kann und ob der Wunsch der SFK nach “Angel-freien Zonen” rund um die Betriebsstätten realisierbar ist.

 

Zur nächsten Landtagswahl setzen sich die Jusos im SPD-Wahlprogramm für mehr öffentliches WLAN ein. Diesen Schritt gehen die Verkehrsanbieter in Kiel bereits. Die SFK richtet auf ihren Schiffen das kostenlose KN-WLAN ein und auch die KVG, deren Geschäftsführer Herr Schulz ebenfalls ist, wird die Haltestellen mit Fahrgastanzeiger entsprechend ausstatten. Bei den Bussen ist das auch technischen Gründen nicht möglich. Bei diesem kleinen Abstecher in den straßengebundenen ÖPNV konnte er auch von den Plänen der KVG berichten, die Linie mit Hilfe moderner Ladetechnik an den Endhaltestellen als Erste auf einen Hybrid- und dann Elektrobetrieb umzustellen. Zur Verbesserung des Fahrkomforts und der Auslastung des Raums im Bus werden auf dieser Linie in Kürze etwas längere Busse mit vier Türen angeschafft, die den großen Andrang morgens zur Fachhochschule besser  bewältigen sollen.

07_img_3075Zum Abschluss gingen wir etwa 100 Meter auf die andere Seite der Klappbrücke und besichtigten noch den Schlepper “Bülk”. Die “Bülk” ist Notfallschlepper des Bundes fährt ist für einen Anruf des Havariekommandos ständig bereit. Daneben übernimmt sie aber auch normale Schleppaufgaben an der Schleuse oder für Kreuzfahrtschiffe, die sie auch mit Wasserfontänen begrüßt. Letzteres stellt einen Standortvorteil für den Kieler Hafen dar, da heimische Schlepper verfügbar sind. Bei Einsätzen im entfernteren Bereich leben die Seeleute einige Tage in beengten Verhältnissen. Der Schlepper ist durch seine Maschinen und Ruder sehr wendig und kann sich auf engstem Raum den Herausforderungen anpassen. Herr Stalder, der Betriebsleiter, erläuterte die besonderen Fähigkeiten der Bewegung des Schiffes und die verschiedenen Arten der Schlepphilfe.

Wir sind der SFK sehr dankbar für diesen Blick hinter die Kulissen und die Möglichkeit, die praktische Umsetzung hinter politischen Entscheidungen zu betrachten und besprechen. Für unsere Diskussionen zur Stadtentwicklung, die wir bis zur Kommunalwahl 2018 führen möchten, können wir viel mitnehmen.